Leseprobe

Weit hallt das Schwerterklirren in dem sonst ruhigen Wald. Aus dem dichten Unterholz sieht ein großer, fast weißer Wolf, diesem treiben zu.

Zwei Menschen scheinen sich auf der sonnendurchfluteten Lichtung einen  schweren Kampf zu liefern. Der größere der beiden wird hart bedrängt und immer weiter attackiert, sodass er nur die Schläge abwehren kann und Fuß um Fuß immer weiter zurückweichen muss. Jetzt steht er mit dem  Rücken an einer mächtigen Eiche, die Arme hängen kraftlos herunter. Das  Schwert entgleitet seiner Hand und er ist schutzlos seinem Gegner aus- geliefert.

„Jetzt habe ich Dich“ erklingt eine helle Mädchenstimme lachend.

„Heute hast Du es mir aber wirklich nicht schwer gemacht – wolltest Du mir eine Freude bereiten?“

Noch lachend schaut sie den alten Mann an und bemerkt jetzt erst, dass er schwer atmet und sein Gesicht ganz grau ist.

„Vater, was ist mit Dir, geht es Dir nicht gut?“

Nur langsam kommt der alte Mann wieder zu Atem. „Tara, lass uns zurückgehen, für heute ist es genug“ 

 

Eine Hütte steht am Rande der Lichtung, hingeduckt unter die mächtigen Bäume, sodass der Eindruck entsteht, die Bäume beschützen das Haus,  und mit ihm seine Bewohner. Für die Tiere des endlos großen Waldes  war das Kampfgeräusch nichts Neues. Tag für Tag erschallte es in dem einsamen  Wald. Es ist auch nicht ein Kampf auf Leben und Tod, sondern ein  Meister der Schwertfechtkunst und seine Schülerin.  Vater und Tochter.


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Ohne darauf geachtet zu haben, war sie in die Richtung geritten, aus der sie damals mit Bodo nach Warsand gekommen war.

Hier in der Nähe der Stadt gab es noch Felder und der eine oder andere Bauer hatte sich aufgerichtet und grüßte sie mit der Hand am Hut. Fröhlich winkte sie zurück.

Sie war jetzt eine ganze Zeit im gestreckten Galopp geritten und zügelte nun ihr Pferd damit sich Rexa nicht überanstrengte. Liebevoll klopfte sie ihr den Hals: „Du bist ja auch nicht mehr die jüngste. Du hast meinem Vater schon gedient und mich schon sehr weit getragen.“

Tara richtete sich auf, nahm einen Schluck aus ihrem Wasserschlauch, und ließ ihren Blick schweifen. Ja dort hinten die Felsen kamen ihr bekannt vor. Dort wollte sie hin reiten und im Schatten rasten. Sie beobachtete Wolf, wie er mit der Schnauze dicht über dem Boden im Zickzack lief, ab und zu den Kopf hob und in die Luft schnupperte, die Ohren spitzte und dann mit mächtigen Sätzen davonsprang.

Leicht trat sie Rexa in die Flanken und folgte ihm gemächlich.

Eigentlich sollte ich umkehren, dachte sie bei sich. Wie zur Bestätigung knurrte ihr Magen. Ein Blick in den Himmel zeigte ihr, dass es schon später war wie gedacht. Nur noch bis zu den Felsen, dann kehre ich um. Aber auch zu dumm, dass ich nicht an Proviant gedacht habe.

Sie suchte die Gegend nach Wolf ab und sah gerade noch, wie er zwischen den Felsen verschwand.

Vielleicht macht Wolf ja gute Beute und ich bekomme was ab. Bei dem Gedanken lief ihr schon das Wasser im Mund zusammen. Dann bleibe ich einfach hier, mache mir ein kleines Feuer …...

War das nicht ein Winseln? Sie horchte angestrengt aber konnte nichts weiter mehr hören. Trotzdem trat sie Rexa in die Flanken, dass diese einen Satz machte und in einen schnellen Galopp verfiel. In kurzer Zeit hatten sie die Felsen erreicht und ritt in das Halbdunkel hinein. Ihre Augen mussten sich an das Dämmerlicht gewöhnen und was sie dann sah, ließ ihr Herz stocken.

 

Wolf lag ein Stück weiter vorn auf dem Boden und Blut breitete sich um ihn aus. Aus seiner Schulter ragte ein schwarzer Pfeil. Eilig lies Tara sich von ihrem Pferd gleiten und kniete sich neben Wolf. Erleichtert stellte sie fest, dass er noch atmete. Sie legte ihm die Hand auf den Kopf und sprach beruhigend auf ihn ein. Da hörte sie ein leises Rascheln und gerade, als sie sich umdrehen wollte, traf sie ein harter Schlag auf den Kopf. Sie merkte noch, dass sie zur Seite kippte, dann umfing sie schwarze Nacht.